22.11.2011, 10:01
(Ich wusste nicht wohin damit und habe dieses Thema jetzt mal hier angelegt, weil ich die Machine de Marly hier auch entdeckt habe)
Durch Zufall bin ich auf drei wunderschöne de Fer Karten von 1694 (habe sie für die Ansicht hier zusammenretuschiert) mit dem geplanten Gesamtverlauf von Vaubans Canal de l'Eure gestossen. Da musste ich direkt zugreifen und will Euch diese jetzt natürlich nicht vorenthalten.
![[Bild: drei-Karten-des-Nouveau-Canal-nach-Versa...r-1694.jpg]](http://www.louis-de-france.de/media/img/forenimages/drei-Karten-des-Nouveau-Canal-nach-Versailles-de-Fer-1694.jpg)
Ich hab schon oft von dem nicht fertiggestellten Kanal gelesen und was für ein gigantisches Projekt das war um die Estangs und Reservoirs bei St. Cyr mit dem Wasser der Eure zu speisen, damit diese die Brunnen und Fontainen in Versailles am Laufen halten. Aber als ich nun die Karten in den Händen hielt, bin ich fast rückwärts umgekippt. Es ist schon wahnsinn, was für ein Aufwand betrieben wurde, damit der eh schon grandiose Park durch seine Wasserspiele zum absoluten non-plus-ultra wird. Die Maschine von Marly war zur Zeit des Kanalbaus ja schon in Betrieb, nur stellte man ja dann leider recht schnell fest, dass sie das geforderte Pensum nie schaffen wird. Leider habe ich bisher nur spärliche Infos zum Kanal gefunden und mir selber aus verschiedenen Sprachen, Büchern, Webseiten die Infos zusammengesammelt. Vielleicht habt ihr ja noch mehr Infos zu diesem Riesen-Projekt.? Was haltet ihr davon? Findet Ihr es genau so gigantisch oder eher doch zu verschwenderisch für den geplanten Nutzungszweck?
Kriegsminister François Michel Le Tellier, Marquis de Louvois wurde nach dem Tod von Colbert im September 1683 dessen Amt des "Surintendant des Bâtiments, Arts et Manufactures de France" übertragen. Louvois begann im Auftrag von Louis XIV. zu prüfen, ob es möglich wäre das Wasser des Flusses Eure über einen Kanal, Tunnelanlagen und einen 17 Kilometer langen Aquädukt zu mehreren Weihern auf der Ebene von Yvelines bei Versailles zu schaffen.
Die federführende Planung zur Verwirklichung dieses gigantischen Vorhabens übernahm dann aber Sébastien Le Prestre de Vauban. Der Generalkommissar der Festungsanlagen wurde nun mit der zusätzlichen Aufgabe betraut, die Möglichkeiten einer gesichterten und konstanten Wasserversorgung der königlichen Parkanlagen auszuarbeiten und umzusetzen. Er verfeinerte Louvois' Pläne, wählte einen effektiveren Verlauf für den Kanal und verwarf den monumentalen Aquädukt im Euretal. Dafür plante er einen 1000 Meter langen, kleineren Aquädukt bei Saint-Germain-la-Gâtine und einen weiteren mit einer Länge von 4990 Metern bei Maintenon. Dieser sollte die Eure in ca. 70 Metern Höhe auf mehreren übereinander gesetzten Arkadenreihen, bestehend aus 242 Bögen, kreuzen.
An der Stelle des geplanten Aquädukts befindet sich der Fluss durch seinen natürlichen Lauf zwar in relativer nähe zum Schloss von Versailles, da er auf dieser Höhe jedoch durch ein Tal verläuft, wäre es ohne den Einsatz von hydraulischen Pumpen nicht möglich gewesen das Wasser bereits bei Maintenon zu entnehmen. Diese Möglichkeit ergab sich erst knapp 30 Kilometer weiter südwestlich bei Pontguin. Hier liegt der Verlauf der Eure ungefähr 27 Meter höher als das Schloss von Versailles. Diese Begebenheit brachte den Kanal auf eine für seinen Zweck monumentale Gesamtlänge von 80 Kilometern und ließ ihn auf dem Weg zum Schloss aus technischen Gründen unvermeidlicherweise noch einmal den ihn mit Wasser speisenden Fluß überqueren.
Insgesamt sollte der Kanal die Eure über diverse Schleusen und die zwei Aquädukte mit dem bei Rambouillet gelegenen "Étang de la Tour" verbinden. Von dort aus führte der geplante Kanalverlauf abwechselnd in 6 oberirdischen und 8 unterirdischen Abschnitten über mehrere Weiher erst in den schon hinter der Begrenzungsmauer des ehemaligen Grand Parc von Versailles gelegenen großen "Estang de Trappes" und von dort aus weiter in den nördlich davon, bei St. Cyr gelegenen "Estang Darey". Von diesem Reservoir aus sollte ein Tunnel das Wasser in einiger Entfernung südlich am Petit Parc des Schlosses und an Satory vorbei führen und nach einem Bogen östlich vor dem Becken der Schweizer Garde in Versailles enden.
Die Bauarbeiten begannen im Mai 1685 und verschlangen Unmengen an Geld. Zu Beginn waren lediglich 1800 Arbeiter mit dem Aushub beschäftigt, diese Zahl stieg jedoch stetig. Nachdem schon Finanzminister Colbert bereits während der ersten Planungsarbeiten mehrfach die hohen Kosten des Kanals beim König anprangerte, wurden um die Ausgaben tatsächlich zu senken nach Colberts Tod über Louvois zusätzliche 22.000 Soldaten für die Bautätigkeiten herangezogen, die in der bei Baubeginn vorherrschenden Friedenszeit ohne Aufgabe in den Kasernen saßen. So arbeiteten zu Höchstzeiten um die 30.000 Frauen und Männer auf der Kanalbaustelle, von denen während einer Malaria-Epedemie im Jahre 1687 rund 6.000 Zivilisten und Soldaten starben.
Durch den Einsatz der Soldaten, sinken die Ausgaben zwar wieder, jedoch sollte genau diese Sparmaßnahme dem Kanal nur drei Jahre später zum Verhängnis werden. Wegen des Pfälzischen Erbfolgekrieges mussten schon 1688 alle Soldaten wieder abgezogen werden und die Arbeiten wurden aus Kostengründen bis auf Weiteres eingestellt. Im Jahre 1691 starb mit Louvois der Initiator des Projektes und nach Kriegsende im Jahre 1697 lag der französische Staatshaushalt weitestgehend am Boden. Trotz der bis dato getätigten Investition von ungefähr 9 Millionen Livres, welche für den bisherigen Aushub des Kanals, die bereits fertiggestellten Tunnel und die verwirklichte untere Arkadenreihe des Aquädukts bei Maintenon (fertiggestellte 955 m Länge und 28,5 m Höhe) ausgegeben wurden, werden die Bauarbeiten nie wieder aufgenommen, weshalb der Canal de l'Eure bis heute unvollendet geblieben ist. Die bis 1688 fertiggestellten Abschnitte, einige Tunnel und Aquäduktteile sind jedoch bis heute erhalten.
Durch Zufall bin ich auf drei wunderschöne de Fer Karten von 1694 (habe sie für die Ansicht hier zusammenretuschiert) mit dem geplanten Gesamtverlauf von Vaubans Canal de l'Eure gestossen. Da musste ich direkt zugreifen und will Euch diese jetzt natürlich nicht vorenthalten.
![[Bild: drei-Karten-des-Nouveau-Canal-nach-Versa...r-1694.jpg]](http://www.louis-de-france.de/media/img/forenimages/drei-Karten-des-Nouveau-Canal-nach-Versailles-de-Fer-1694.jpg)
Ich hab schon oft von dem nicht fertiggestellten Kanal gelesen und was für ein gigantisches Projekt das war um die Estangs und Reservoirs bei St. Cyr mit dem Wasser der Eure zu speisen, damit diese die Brunnen und Fontainen in Versailles am Laufen halten. Aber als ich nun die Karten in den Händen hielt, bin ich fast rückwärts umgekippt. Es ist schon wahnsinn, was für ein Aufwand betrieben wurde, damit der eh schon grandiose Park durch seine Wasserspiele zum absoluten non-plus-ultra wird. Die Maschine von Marly war zur Zeit des Kanalbaus ja schon in Betrieb, nur stellte man ja dann leider recht schnell fest, dass sie das geforderte Pensum nie schaffen wird. Leider habe ich bisher nur spärliche Infos zum Kanal gefunden und mir selber aus verschiedenen Sprachen, Büchern, Webseiten die Infos zusammengesammelt. Vielleicht habt ihr ja noch mehr Infos zu diesem Riesen-Projekt.? Was haltet ihr davon? Findet Ihr es genau so gigantisch oder eher doch zu verschwenderisch für den geplanten Nutzungszweck?
Kriegsminister François Michel Le Tellier, Marquis de Louvois wurde nach dem Tod von Colbert im September 1683 dessen Amt des "Surintendant des Bâtiments, Arts et Manufactures de France" übertragen. Louvois begann im Auftrag von Louis XIV. zu prüfen, ob es möglich wäre das Wasser des Flusses Eure über einen Kanal, Tunnelanlagen und einen 17 Kilometer langen Aquädukt zu mehreren Weihern auf der Ebene von Yvelines bei Versailles zu schaffen.
Die federführende Planung zur Verwirklichung dieses gigantischen Vorhabens übernahm dann aber Sébastien Le Prestre de Vauban. Der Generalkommissar der Festungsanlagen wurde nun mit der zusätzlichen Aufgabe betraut, die Möglichkeiten einer gesichterten und konstanten Wasserversorgung der königlichen Parkanlagen auszuarbeiten und umzusetzen. Er verfeinerte Louvois' Pläne, wählte einen effektiveren Verlauf für den Kanal und verwarf den monumentalen Aquädukt im Euretal. Dafür plante er einen 1000 Meter langen, kleineren Aquädukt bei Saint-Germain-la-Gâtine und einen weiteren mit einer Länge von 4990 Metern bei Maintenon. Dieser sollte die Eure in ca. 70 Metern Höhe auf mehreren übereinander gesetzten Arkadenreihen, bestehend aus 242 Bögen, kreuzen.
An der Stelle des geplanten Aquädukts befindet sich der Fluss durch seinen natürlichen Lauf zwar in relativer nähe zum Schloss von Versailles, da er auf dieser Höhe jedoch durch ein Tal verläuft, wäre es ohne den Einsatz von hydraulischen Pumpen nicht möglich gewesen das Wasser bereits bei Maintenon zu entnehmen. Diese Möglichkeit ergab sich erst knapp 30 Kilometer weiter südwestlich bei Pontguin. Hier liegt der Verlauf der Eure ungefähr 27 Meter höher als das Schloss von Versailles. Diese Begebenheit brachte den Kanal auf eine für seinen Zweck monumentale Gesamtlänge von 80 Kilometern und ließ ihn auf dem Weg zum Schloss aus technischen Gründen unvermeidlicherweise noch einmal den ihn mit Wasser speisenden Fluß überqueren.
Insgesamt sollte der Kanal die Eure über diverse Schleusen und die zwei Aquädukte mit dem bei Rambouillet gelegenen "Étang de la Tour" verbinden. Von dort aus führte der geplante Kanalverlauf abwechselnd in 6 oberirdischen und 8 unterirdischen Abschnitten über mehrere Weiher erst in den schon hinter der Begrenzungsmauer des ehemaligen Grand Parc von Versailles gelegenen großen "Estang de Trappes" und von dort aus weiter in den nördlich davon, bei St. Cyr gelegenen "Estang Darey". Von diesem Reservoir aus sollte ein Tunnel das Wasser in einiger Entfernung südlich am Petit Parc des Schlosses und an Satory vorbei führen und nach einem Bogen östlich vor dem Becken der Schweizer Garde in Versailles enden.
Die Bauarbeiten begannen im Mai 1685 und verschlangen Unmengen an Geld. Zu Beginn waren lediglich 1800 Arbeiter mit dem Aushub beschäftigt, diese Zahl stieg jedoch stetig. Nachdem schon Finanzminister Colbert bereits während der ersten Planungsarbeiten mehrfach die hohen Kosten des Kanals beim König anprangerte, wurden um die Ausgaben tatsächlich zu senken nach Colberts Tod über Louvois zusätzliche 22.000 Soldaten für die Bautätigkeiten herangezogen, die in der bei Baubeginn vorherrschenden Friedenszeit ohne Aufgabe in den Kasernen saßen. So arbeiteten zu Höchstzeiten um die 30.000 Frauen und Männer auf der Kanalbaustelle, von denen während einer Malaria-Epedemie im Jahre 1687 rund 6.000 Zivilisten und Soldaten starben.
Durch den Einsatz der Soldaten, sinken die Ausgaben zwar wieder, jedoch sollte genau diese Sparmaßnahme dem Kanal nur drei Jahre später zum Verhängnis werden. Wegen des Pfälzischen Erbfolgekrieges mussten schon 1688 alle Soldaten wieder abgezogen werden und die Arbeiten wurden aus Kostengründen bis auf Weiteres eingestellt. Im Jahre 1691 starb mit Louvois der Initiator des Projektes und nach Kriegsende im Jahre 1697 lag der französische Staatshaushalt weitestgehend am Boden. Trotz der bis dato getätigten Investition von ungefähr 9 Millionen Livres, welche für den bisherigen Aushub des Kanals, die bereits fertiggestellten Tunnel und die verwirklichte untere Arkadenreihe des Aquädukts bei Maintenon (fertiggestellte 955 m Länge und 28,5 m Höhe) ausgegeben wurden, werden die Bauarbeiten nie wieder aufgenommen, weshalb der Canal de l'Eure bis heute unvollendet geblieben ist. Die bis 1688 fertiggestellten Abschnitte, einige Tunnel und Aquäduktteile sind jedoch bis heute erhalten.
)

