Versailles- Forum

Normale Version: Mesdames - die Tanten
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Die Tanten von Ludwig XVI. (auch gerne als Mesdames bezeichnet) waren die Töchter Ludwig XV. Bis auf zwei, heirateten keine von ihnen, sondern blieben am Hofe ihres Vaters und später ihres Neffen.
Hier möchte ich auch nach und nach die einzelnen Frauen etwas näher bringen und zu jeder eine kurze Biografie anfertigen.
Den Anfang macht:
Marie Louise Elisabeth
"Madame Infante" oder "Madame Premiere"
14. August 1727 - 6. Dezember 1759
[Bild: lnmxdhzacba0i4gai0he.jpg]

Elisabeth und ihre Zwillingsschwester Anne Henriette waren die ersten Kinder von Ludwig XV. und seiner Gemahlin Maria Leszczyńska. Elisabeth gilt als das Lieblingskind ihres Vaters und "durfte" dadurch als Einzige seiner Töchter heiraten. Ihre Kindheit endete im Alter von 12 Jahren als sie ihren Cousin, den spanischen Infanten Philipp, heiraten musste und an den spanischen Hof zog.
Die Beziehung zwischen Elisabeth und ihrem Ehemann war von Anbeginn an zum Scheitern verurteilt, da die junge Prinzessin keine Gefühle für ihren spanischen Gemahl entwickeln konnte. Auch fühlte sie sich am spanischen Hof nicht wohl. 1741 brachte sie bereits ihr erstes Kind Maria Isabella zur Welt.
Nachdem sie mehrere verzweifelte Briefe an ihren Vater geschickt hatte und ihm über ihre Lage in Kenntnis gesetzt hatte, ernannte dieser Philipp 1748 zum Herzog von Parma, um seine geliebte Tocher von ihren Depressionen am spanischen Hof zu befreien.
Am 11. Dezember 1748 besuchte die Herzogin von Parma ihren Vater in Versailles, um ihm für die Erhebung ihres Gatten zum Herzog von Parma zu danken. Im Zuge dieses Besuches freundete sie sich mit der Mätresse ihres Vaters, Madame Pompadour, an und zog durch diese Handlung die Missgunst der anderen Familienmitglieder und besonders ihrer Mutter auf sich. Am 1. Juli 1748 traten Louise Elisabeth und Philipp offiziell die Herrschaft in Parma an.
In Parma besserte sich der psychische Zustand der Herzogin sogar kurzzeitig. Obwohl sie das Zusammensein mit ihrem Ehemann mied und sich vor Intimitäten fürchtete, brachte sie im Jahre 1751 zwei Kinder, einen Jungen namens Ferdinand Anfang Jänner und ein Mädchen namens Marie Louise im Dezember des gleichen Jahres auf die Welt.
Im Jahre 1752 starb ihre geliebte Zwillingsschwester. Als sie von ihrem Tod erfuhr reiste sie sofort nach Frankreich und verbrachte Stunden am Grab ihrer toten Schwester.
Immer mehr versuchte sie ihrem Mann und Parma zu entfliehen und verbrachte mehr Zeit bei ihrer Familie in Versailles. Dort erkrankte sie im Dezember 1759 an den Pocken und verschied am 6. Dezember im Kreise ihrer Familie in Versailles. Wunschgemäß wurde sie am 27. März 1760 an der Seite ihrer Zwillingsschwester in St. Denis beerdigt.
Anne Henriette
"Madame Seconde"
14. August 1727 – 10. Februar 1752
[Bild: 0rjhdw6112he5fvfvnfu.jpg]

Henriette war gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester die ersten Kinder des Königspaares. Gemeinsam mit ihr wuchs sie am Hofe von Versailles auf. Während ihre Schwester Elisabeth mit 12 die Reise nach Spanien antrat, blieb Anne Henriette in Versailles und litt unter dem Verlust ihrer Lieblingsschwester, mit der sie den Großteil ihrer Zeit verbracht hatte. Nach der Trennung von ihr zog sich die von Natur aus sehr reservierte Prinzessin immer mehr zurück und widmete sich der Musik.
Mit Hilfe ihres Lehrers Jean-Baptiste-Antoine Forqueray, einer der berühmtesten Gambisten Frankreichs im 18. Jahrhundert, perfektionierte sie in den folgenden Jahren ihr Gambenspiel. Leidenschaft von Anne Henriette für die Musik wurde von dem Hofmaler Jean-Marc Nattier für immer auf seinem Porträt von der musizierenden Madame Henriette festgehalten.
Im Gegensatz zu ihrer Zwillingsschwester war Henriette nie verheiratet, obwohl sie eine Zeit lang für den Herzog von Orléans schwärmte und sich mit ihm häufig traf. Die Zwillingsschwestern entfremdeten sich kurzzeitig, als Louise Elisabeth sich mit der Mätresse ihres Vaters, Madame de Pompadour, anfreundete und durch diese Handlung die Missgunst ihrer Mutter und ihrer anderen Geschwister auf sich zog.
Anfang 1752 erkrankte Henriette an den Pocken und starb am 10. Februar desselben Jahres im Alter von nur 24 Jahren. Sie wurde in St. Denis beigesetzt, später wurde ihre Zwillingsschwester an ihrer Seite bestattet.
Marie Adelaide
„Madame Adelaide“ od. „Madame Quatrième” später „Madame Troisiéme“
23. März 1723 – 27. Februar 1800
[Bild: dpyulq9ejsfs25kixw50.jpg]

Adelaide war das sechste Kind und die vierte Tochter des Königspaares. Sie erwies sich bereits in früher Kindheit als sehr selbstbewusst und dickköpfig. Als der Vater 1738 sie und ihre jüngeren Schwestern auf Rat des Kardinals Fleury aus Kostengründen in der Abtei Fontevrault erziehen lassen wollte, brach die sechsjährige Prinzessin in Tränen aus, warf sich ihrem Vater vor die Knie und flehte ihn an, sie nicht wegzuschicken. Zutiefst gerührt, durfte sie in Versailles bei ihrer Familie bleiben, während ihre Schwestern nach Fontevrault geschickt wurden.
Adelaide besaß einen ausgeprägten Patriotismus, der sich nach und nach zu einer Art Nationalismus entwickeln sollte. Ihr Hass gegen Frankreichs Erbfeinde England und Österreich blieb Zeit ihres Lebens grenzenlos und sie betrachtete ihre Heimat als größte uns schönste Nation der Welt.
Sie galt als so stolz und eitel, dass sie sämtliche Heiratsanträge ablehnte, in ihren Augen war ihr kein Prinz vom Rang ebenbürtig. Sie lebte daher wie ihre Schwestern unverheiratet in Versailles.
Ihre Eitelkeit beruhte aber auch auf ihrer großen Schönheit. Der Ruf, eine der attraktivsten Frauen bei Hofe zu sein, eilte ihr voraus, ebenso ihre hohe Intelligenz. So sprach sie nicht nur fließend Italienisch und Englisch, sondern war auch eine hervorragende Mathematikerin und fertigte selbst Uhren an. Zudem hatte sie eine besondere Vorliebe für Hunde, ihre größte Leidenschaft war jedoch die Musik. Sie spielte fast sämtliche Instrumente: von der Violine, dem Cello, der Orgel, dem Cembalo bis hin zur Maultrommel und dem Waldhorn.
Nach dem Tod ihrer älteren Schwestern avancierte sie zu Ludwigs Lieblingstochter: so saß sie ab sofort bei Tisch immer an seiner rechten Seite und wollte ab sofort nur noch mit dem Titel „Madame, älteste Tochter des Königs“ angesprochen werden. Bald begann sie jedoch wegen ihres ledigen Zustandes melancholisch zu werden. Um diese innere Leere zu füllen begann sie, wie ihre Schwestern, übermäßig viel zu essen.
Genauso wie ihre Mutter und anderen Geschwister verabscheute Adelaide die Mätressen ihres Vaters zutiefst. Ihr besonderer Hass jedoch gebührte der letzten Mätresse ihres Vaters, Madame du Barry. Als ihr Neffe die österreichische Erzherzogin Marie Antoinette ehelichte, nahm Adelaide sie unter ihre Fittiche. Jedoch wollte sie sich in Wirklichkeit der jungen Dauphine nur zu Nutze machen. Deswegen ging sie mit ihr eine Freundschaft ein, hinter ihrem Rücken nannte sie sie jedoch nur verächtlich „L’Autrichienne“.
Als Ende 1774 ihr Vater an den Pocken erkrankte, durfte sie mit ihrer jüngsten Schwester am Krankenbett verweilen, während dem Rest der Familie der Zutritt verwehrt blieb. Nachdem Ludwig gestorben war, zog sie sich mit ihren Schwestern immer mehr zurück. Nach Ausbruch der Revolution verließ sie Versailles und zog nach Bellevue. Ein Jahr später floh Adelaide gemeinsam mit ihrer Schwester Victoire nach Triest, wo sie in ärmlichen Verhältnissen lebten. Am 27. Februar 1800 starb sie dort als letzes Kind von Ludwig XV. Unter der Regierung von Ludwig XVIII. wurde sie nach St. Denis überführt.
Referenz-URLs