Versailles- Forum

Normale Version: Kinder in Versailles
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Unsere Jeanne hat mich gebeten, den folgenden Text und die Bilder hier einzustellen (bei ihr klappt das mit dem Einfügen der Bilder leider nicht). Das mache ich natürlich gern, der Übersichtlichekeit halber in mehrerern Teilen.

Es geht um Kindheit in Versailles, die Infos sind aus dem französischen Versailles-Forum.

Teil 1:

Bevor ich beginne, bedanke ich mich herzlich bei Monsieur Jacob Georges, einem Mitglied des französischen Forums, der mir freundlicherweise gestattet hat seinen Beitrag über die Kinder in Versailles in unser Forum zu holen. Die Informationen hat er u.a. im Katalog der Ausstellung Louis XVII gefunden hat. (Rathaus von Paris 5, 1987). Merci beaucoup!
In Anlehnung an seinen Beitrag stelle ich hier nun einige Infos über das Kinderspielzeug in Versailles ein.
Während wir viel über das Leben und die Dinge des tägl. Lebens der Erwachsenen wissen, ist über die Kinder und ihr tägl. Leben wenig bekannt. Ich freue mich darauf, Eure Ergänzungen und Anmerkungen zu lesen.

Kinder von Louis XV:

Spielzeug, das dem Sohn von Ludwig XV gehörte
Sänfte „Fayence China“ (Louvre)
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Die Bildung von Ludwig XVI (Auszug eines Berichts von P. Girault de Coursac)

Geboren am 23.08.1754 als 3. Sohn des Dauphin, des Sohnes von Ludwig XV und seiner zweiten Frau Marie-Josephe de Saxe. Ludwig XVI erhielt eine solide und abwechslungsreiche Ausbildung:

· Schreiben, Lesen, Rechnen, Vorstellungen der heiligen Geschichte, alte Geschichte und Mythologie der griechisch-römischen (alle vor 6 Jahren)

· Grundlagen der Geographie und der allgemeinen Geographie der Alten Welt

· Grundlagen in der Astrologie

· Reflexion und Diskussion über Kultur, basierend auf Studien aus verschiedenen Büchern

Im Jahr 1758 übernahm M- de Vauguyon die Pflege des Duc de Burgogne (des ältesten Sohnes). Seiner Einführung in die Konzepte des öffentlichen Rechts und der Moral sollte Ludwig XVI während seines ganzen Lebens folgen.
Seit dem Jahre 1763 ist seine Ausbildung durch das Erlernen von Latein, Geschichte und Geographie erweitert worden. Nach 1767, dem Tod beider Eltern, übernahm der Herzog von Vauguyon unter Einbeziehung folgender Personen die Verantwortung für die Ausbildung:
• der Lehrer Bischof Coetlosquet Bischof von Limoges
• der Beichtvater Pater Soldini
• Abbe de Radonvilliers für den Fremdsprachenunterricht
• Vater der Argentré für die Wissenschaft
• Herr Le Blond für Mathematik und militärische Taktik
• Herr Buache für Geographie
• Herr Nicolas Ozanne zum Zeichnen und Malen
• Herr Portal für Anatomie
• Pater Berthier und M. Jacob Nicolas Moreau nach "Conversations"
• ... (und andere)

Mit 16 wird über den Dauphin, den zukünftigen Louis XVI berichtet:
* Liest fließend Englisch und Italienisch
* Ausreichende Kenntnisse der spanischen Sprache
* Beherrschung des Lateinischen
* Hat Ideen in Geographie genug, um persönliche Statements über Versailles (Louis realisiert eine Karte der Region von Versailles dargestellt, als ein Pazifik-Insel).
* Eine Wissen im Bereich der Meeresumwelt
* Ist der einzige Enkel Ludwig der die Entwicklung eines Kavallerie-Regiment kontrollieren kann.
* sehr begabt in der Mathematik und begann mit dem Studium der Physik Fr Nollet

* Ist eingeführt in öffentliches und privates Rechts und die Arbeitsweise der Verwaltung

Beispiel Karte "Puzzle aus geschnittenen Papier des Herzogs von Berry. Karte von Nordamerika von Delisle et Buache 1763.
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Spielzeug Ludwig XVI, welches vor einigen Jahren verkauft wurde:

Spieluhr mit Vögeln
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Spielzeugkutsche des Dauphin, Sohn von Ludwig XV
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Teil 2:

Die Kinder Ludwig XVI

Obwohl sein Tagesablauf als König ihm wenig Möglichkeiten ließ, beschäftigte er sich viel mit seinen Kindern und ihrer Ausbildung. Tatsächlich war es in der Zeit neu, dass er versuchte, sie häufig zu sehen und persönlich den Kinderarzt Braunyer und den Abbe Davaud für seine Söhne engagierte. Auch kaufte er für sie persönlich Lehrmaterial, vor allem solches, welches er selbst benutzt hatte.

Als Bsp. für Lehrmaterial, welches er bestellte:

Globus mit abnehmbaren Gewölbe, von Ludwig XVI im Jahr 1786 bei Edme Mentelle in Auftrag gegeben (Museum von Versailles)
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Sammlung indischer Verträge und Malereien auf Büffelhäuten (Musee de l´Homme)
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Erhaltenes Kinderspielzeug der Kinder von Ludwig XVI:

Lottospiel (Musee Carnavalet)
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Bleisoldaten (Musee de Versailles)
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Kutsche, genannt “Le Dauphin”
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Soweit meine "Entdeckungen auf diesem Gebiet. Nämlich, dass es anderes Spielzeug in privaten Sammlungen gibt, dass der Dauphin im Tempel Spielzeug besaß, und einige Original-Miniatur-Waffen im Royal Army Museum aufbewahrt werden.

Weiteres Spielzeug ist hier zu sehen

http://www.fnepsa.fr/+Dossier-de-restaur...OUET+.html

http://musee.louis.xvii.online.fr/jouets.htm
Vielen Dank, Enkelados und Jeanne sowie einen Dank an den netten Forenkollegen aus dem frz. Versailles-Forum, für diesen tollen Bericht ! Klatschy

Die Kutsche Louis' XVII. ist sicherlich die, die im Petit Trianon im Salle des Gardes ausgestellt ist, oder ?

Und der Globus dürfte heute im Grand Cabinet des Dauphins stehen.
Ich habe ältere Bilder des Kabinetts gesehen, auf denen der Globus nicht in diesem Saal steht. Heutzutage jedoch schmückt er das Grand Cabinet.

Das Lottospiel oben habe ich bei der MA-Ausstellung 2008 im Grand Palais gesehen und stand ganz fasziniert davor.
Und ja, im Temple hatte der Dauphin auch Spielzeug; es war ebenfalls im Grand Palais ausgestellt. Da muss ich mal im Katalog nachschlagen.

Hier aber schonmal der Kreisel des Dauphins im Temple:
http://www.photo.rmn.fr/cf/htm/CSearchZ....6NU0G3I7GF

sowie offenbar eine Spielzeugkanone von Louis XVII:
http://www.photo.rmn.fr/cf/htm/CSearchZ....6NU0PE66HH
Ein sonniges "Hallo" aus Spanien! Enkelados, vielen vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast.
KlatschyKlatschy
Die Bilder über Spielzeug im Temple habe ich zu Hause auf dem Rechner.
Was mich berührt, ist die Nähe und die Lebendigkeit die - wie ich finde -durch diese benutzten Dinge entsteht. Plötzlich sind sie nicht nur Daten in Büchern, sondern tatsächlich gelebte Kinder und die Vorstellung, eines kleinen, eingesperrten Jungen, der trotzdem noch spielt, ist sehr anrührend.
Vielleicht wißt Ihr ja noch was über die Erziehung der Kinder zu berichten? Wäre doch interessant, hier mal das eine oder andere zusammen zutragen.
Herzlichen Dank für diese Fülle an Informationen und das Bildmaterial! Wirklich überaus interessant was man alles über die Kinder und die Erziehung aus dieser Zeit weiß.
Ich weiß nicht ob es auch schon einmal aufgefallen ist, aber habt ihr schon mal Porträts von Kleinkindern aus dieser Zeit gesehen? Selbst die Jungen tragen darauf Kleider und das finde ich persönlich schon irgendwie erstaunlich.
Hier mal Beispiele:

Ludwig XV. als Kind:
[Bild: LouisXVchild.jpg]

Maria Leszczynska und ihr Sohn:
[Bild: MariaLeszczynska05.jpg]
Wer sich für die Kindheit und Erziehung Ludwig XVI interessiert, dem kann ich die Biographie von Evelyn Lever ans Herz legen.
Darin wird ausführlich über seinen Tagesablauf, seine Bildung,das Verhältnis zu seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Tanten usw. berichtet. Auch wie ihn der Tod seines älteren Bruders beeinflusst hat, der ihm jahrelang als Vorbild vorgehalten wurde, wird ausführlich beschrieben.
Jungen wie Mädchen wurden bis zu einem bestimmten Alter (ich glaube 5 - 7 Jahre) identisch gekleidet. Mit Eintritt in die "Männerwelt" also dann, wenn die männl. Erzieher kamen, wurden sie erstmals in Hosen gesteckt.
Es gibt ein Bild, auf dem Ludwig XIV als alter Mann neben seinem kleinen Urenkel dem späteren Ludwig XV sitzt, welcher von der Madame de Maintenan am sogenannten Gängelband gehalten wird. Auch er trägt noch Kleid.
Was mir auffällt, wie wenig Bewegungsfreiheit die Kinder gehabt haben müssen. Denn es sind doch schwere Stoffe. Laufen und toben stelle ich mir da sehr schwer vor. Wahrscheinlich unmöglich und wohl auch nicht gewünscht.
Kinder wurden auch in eigenen Haushalten erzogen. Mädchen- wie die Töchter von Ludwig XV- jahrelang im Kloster. Sie kamen erst als Erwachsene ins Schloß zurück. Kein oder nur sehr spärlicher Kontakt zu den Eltern.
Danke für die Informationen zur Kleidung, mich würds wirklich interessieren warum das gemacht wurde, muss ja irgendeinen Grund gehabt haben. Natürlich sie konnten damit nicht wirklich herumlaufen und toben, aber das wird ja nicht der einzige Grund gewesen sein.
Das mit den Mädchen stimmt aber auch nicht immer, eigentlich wurden auch sie am Hofe erzogen. Bei Ludwig XV. wurde es ihm von seinen Beratern nahe gelegt die Töchter im Kloster zu erziehen, da dies nicht so kostenintensiv wäre wie wenn sie alle am Hof bleiben würden, was er ja dann auch in die Tat umgesetzt hat. Seine Enkelinnen hingegen, Mme Clothilde und Mme Elisabeth, wurden dann wieder am Hof erzogen Wink2
(13.10.2009 11:30)Petit Trianon schrieb: [ -> ]Seine Enkelinnen hingegen, Mme Clothilde und Mme Elisabeth, wurden dann wieder am Hof erzogen Wink2

Nicht ganz Wink2
Madame Elisabeth und Madame Clotilde befanden sich z.B. 1770 im Kloster.
Als Marie Antoinette in ihrer neuen Heimat eintraf und in Compiègne erstmals auf den König und ihren Gatten traf, begab sich der ganze Tross im Anschluss nach Saint-Cloud, wo die beiden kleinen Schwägerinnen MAs im Kloster erzogen wurden.
Dort machte man einen Zwischenstopp (bevor es endlich nach Versailles ging), damit MA ihre Schwägerinnen kennenlernt.
Oh das ist mir jetzt aber peinlich! Ich dachte nur die Mesdames wurden aus Kostengründen im Kloster erzogen Shy
War das bereits unter Ludwig XIV. so? Obwohl der hatte ja keine Töchter mit der Königin die man hätte erziehen müssen. Wobei wieder die Frage auftaucht, weiß man was mit den Töchtern seiner Mätressen passiert ist, also wie diese erzogen wurden?
Ich glaub nicht, dass die Montespan-Töchter in Klöstern erzogen wurden.
Vorstellen kann ich es mir nicht, da deren Existenz ja zu Beginn geheim gehalten wurde, zumindest bis zur Legitimierung der Kinder.

Die erste Tochter, Louise Françoise de Bourbon, wurde anfangs Mademoiselle des Œillets, einer Kammerfrau von Mme de Montespan und späteren Geliebten des Königs, anvertraut.
Wenige Wochen später kam die Kleine jedoch in die Obhut von Madame Scarron, der späteren Mme de Maintenon und Athénaïs' Freundin.
Die weiteren Kinder kamen direkt in die Obhut von Madame de Maintenon.
Für die Unterkunft und Erziehung der Kinder hatte der König in der Rue de Vaugirard in Paris ein Haus gekauft.
1674 zog Madame de Maintenon mit den Kindern in den Palast von Versailles um.

Die beiden letzten Kinder der Montespan und des Königs - Françoise-Marie und Louis-Alexandre, Comte de Toulouse - wurden nicht mehr von Madame de Maintenon erzogen, da diese bereits die Geliebte des Königs geworden war.
Stattdessen gab man diese beiden Kinder nun in die Obhut von Madame de Monchevreuil.

Soweit ich das herausfinden konnte, lebten die ersten 5 Montespan-Kinder fernab vom Hof in einem vom König eigens für ihre Unterkunft und Erziehung gekauften Haus in Paris.
Nachdem sie schließlich legitimiert wurden, kamen sie an den Hof.

Die letzten beiden Kinder schienen direkt bei Hofe gelebt zu haben. Sicher bin ich mir aber nicht, da die beiden erst 1681 legitimiert wurden.
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